Nachbarschaft

Dass sich irgendwelche Politiker der strohigen Idee hingeben, sich Nachbarn aus genetischen oder religiösen oder ähnlichen Blödheiten zu verbitten, ist keine Spezialität unserer Zeit: 1609 fühlte sich beispielweise der spanische König Philipp III von einer bigotten Bittschrift seines Beraters Juan de Ribera bemüssigt, die Morisken – also die zum Katholizismus übergetretenden Moslems, die einzig wirklich produktiven Einwohner seines spanischen Landes – brutal auszuweisen. Ribera und der Hof konnten sich kurz am zurückgelassenen Vermögen schadlos halten, dann versank das Land endgültig in den durch schlechte Regierungen provozierten wirtschaftlichen Ruin. Das große spanische Weltreich war endgültig passé. Ob man sich in berufenen sächischen Kreisen solche Nachbarschaftslösungen als Alternative für unser Land auch vorstellt?

(c) Andreas ErberGezeichnet mit Bleistift, Fineliner und Pentel Tradio Tusche-Stylo Trj50 auf Muji Notebook-Papier. Die Vorlage kam vom Urban Sketcher M.T. Holmes.

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