Befremdlich

Überfremdung? Was geht in diesen Köpfen vor, die von Überfremdung reden mit ekelhafter Selbstgefälligkeit. („Das wird man doch noch mal sagen dürfen“)? Überfremdung? Was sind das für Menschen, die einem Kind in aller Öffentlichkeit ins Gesicht pinkeln, weil es nicht deutsch ist („Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“)? Überfremdung? Was sind das für Nazireproduktionen, die ihr kleines Bisschen Ego nur in hundertfacher Überzahl an einzelnen Flüchtlingen oder nur nachts feige-heimlich mit Brandbeschleunigern ausleben („Egal was man sagt, man wird ja ohnehin sofort zum Nazi abgestempelt“)?

Dieses Land ist tatsächlich überfremdet. Es ist überfremdet von Missgunst, Egoismus, Rassismus. Es ist überfremdet von Menschen, die vor nicht einmal mehr als 25 Jahren selbst Flüchtlinge waren, als sie sich aus dem Osten durch die Mauer nach Westdeutschland aufmachten, um sich mit Begrüßungsgeld, großzügigen Renten und einem vorteilhaften Umtauschkurs helfen zu lassen – und all das vergessen haben. Es ist überfremdet von Kleingeist und Großmannssucht und fehlender Nächstenliebe. Es ist überfremdet von Gestalten, die ihre niedrigsten Triebe in die Deutschlandfahne wickeln und als Stolz auf „ihr“ Land verkaufen. Dabei ist es nicht „ihr“ Land, weil sie die wahren Fremden sind.

(c) Andreas ErberGezeichnet in einem fremden Land mit fremden Menschen, die mich willkommen hießen, sogar mit mir lachten, sogar neugierig waren auf mich (mit einem Staedtler pigment liner 0,05 (schwarz), einem schwarzen Muji Tintenstift (0,5), einem Copic Sketch Marker und einem ganz schnöden, namenlosen Druckbleistift).

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