Fünfte Ephemeride

(c) Andreas Erber
Gelesen in den Briefen des Abbé Ferdinando Galiani an Madame d'Epinay (hier aus einem Brief vom 23. Juni 1770)

"[…] Ich klage die Ökonomisten dafür an. Sie haben so viel von Eigentum und Freiheit gepredigt, sie haben so sehr gegen Polizei, Ordnung, Reglements gehetzt, sie haben so viel davon geredet, die Natur, sich selber überlassen, sei so schön, gehe so gut vorwärts, halte so gut das Gleichgewicht, dass endlich die Leute das Gefühl hatten, alle Welt sei Gemeingut und ein jeder könne gehen, wo er wolle, und dass sie sich das zunutze machen wollten. Da haben wir nun das schöne Ergebnis ihrer langen Predigt!"

Auf Heutiges übersetzt schreibe ‚Neoliberale‘ für ‚Ökonomisten‘ und schreibe für ‚Polizei, Ordnung, Reglements‘ einfach ‚staatliche Marktbeschränkungen‘. Dann gibt Galiani sehr klar und deutlich die Misere einer aus dem Ruder laufenden Weltökonomie wider, bei der sich die Wenigen am Gemeingut laben und die Vielen die Zeche zu zahlen haben.