Dritte Ephemeride

(c) Andreas Erber
Gelesen im Idler vom 15. Juli 1758:

When Diogenes received a visit in his tub from Alexander the Great, and was asked […] what petition he had to offer: ‚I have nothing‘, said he, ‚to ask, but that you would remove to the other side, that you may not, by intercepting the sunshine, take from me what you cannot give me.‘” 

Aus dieser Anekdote schließt der Autor, dass es “Dinge” im Leben eines jeden Menschen gibt, die nicht bezahlbar, nicht eintauschbar, nicht gewährbar, nicht übertragbar sind. Dazu zählt in erster Linie die Zeit, die interessanterweise zwar nicht gegeben, sehr wohl aber gestohlen werden kann. Und schon Mitte des 18. Jahrhunderts beklagt sich der Verfasser, dass die Ursurpation des Menschen so verbreitet sei, dass nur der absolut kleinste Teil des Jahres vom Menschen selbst bestimmt verbracht werden könne. „Life is continually ravaged by invaders“, schreibt der Idler-Autor. Einer stiehlt eine Stunde, ein anderer einen Tag, der eine verschleiert den Raub, indem er uns zur Arbeit schickt, der andere, indem er uns mit Ablenkung, mit Amüsement, mit Freizeitstress (wie es heute heißt) überzieht. Möglich sei all das erst geworden, so der Autor weiter, als der Mensch sich das ewige Leben im Jenseits erfand, als also die Verschwendung von noch so viel Lebenszeit im Anbetracht der kommenden Unendlichkeit geradezu zu einer Petitesse wurde.